Gerlinde und Ralf im Everest Basecamp

Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits wollen den Everest über das 3.000 Meter hohe „Supercouloir“, eine der direktesten Aufstiegslinien an einem Achttausender besteigen. Sie sind seit einigen Tagen im Everest Basecamp, erkunden die Aufstiegsmöglichkeiten und akklimatisieren sich.

Die letzte erfolgreiche Begehung Supercouloirs (übrigens nur 7 Durchsteigungen) gelang 1991 dem Schweden Lars Cronlund mit künstlichem Sauerstoff. Das Ziel von Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits ist es, im Alpinstil aufzusteigen, d.h. ohne vorheriges Anbringen von Fixseilen, ohne Hochlager, Hochträger und Zusatzsauerstoff.

Für Gerlinde wäre der Everest die 13. Besteigung eines Achttausenders. Ralf bereits 1992 auf dem höchsten Gipfel der Welt.

Bericht von Gerlinde und Ralf aus dem Basislager, 23. April 2010:

Nach 5 Jahren standen wir nun wieder direkt vor der Everest Nordwand. Unweigerlich kreiste nur ein Gedanke: Werden wir es diesmal schaffen durchzusteigen? Ständig suchten die Augen nach der bestmöglichen Linie. Beide blieben wir mit dem Blick am Einstieg hängen. Wo werden wir den Bergschrund  überwinden können? Gleich morgen früh würden wir den ca. 400 m langen “Spalt” zwischen Gletscher und  dem steil abbrechenden Eis der Nordwand genau anschauen.

Erstmal bauten wir unser kleines Zelt auf und verankerten es mit Eisschrauben am Boden, hatte uns doch Charly Gabl – langjähriger Freund und unser Meteorologe aus Innsbruck –  ca. 60 km/h Wind vorausgesagt. Die üblichen 5 Liter Flüssigkeit für jeden von uns dauerten lange, aber es war noch früh am Tag und  wir wollten hauptsächlich die Wand inspizieren, sodass der Kocher nebenbei dahinschnurrte.

Mit Einbruch der Dunkelheit schlüpften wir schon in unsere Schlafsäcke. Außer den Windgeräuschen und dann und wann das tosende Geräusch eines herab fallenden Eisseracs war nichts zu hören. Ewig weit weg von jeglicher Zivilisation, lagen wir zufrieden und voller Zuversicht auf den nächsten Tag in den wärmenden Daunenschlafsäcken.

Gut ausgeruht starteten wir nach dem Frühstück Richtung Wandfuß. Am rechten Rand fanden wir bereits eine zwar waghalsige aber höchstwahrscheinlich doch irgendwie überwindbare Schneebrücke. Etwas fragil aber möglich. …….

Trotzdem wollten wir uns vergewissern, ob es nicht doch noch einen besseren Einstieg geben würde. Ganz links war der Bergschrund über wenige Meter nur ca. einen Meter breit, dort könnte es gut klappen. Wir wollten wenigstens die erste Seillänge klettern, um die Konsistenz des Eises zu spüren. Ein großer Spreizschritt an die Wand, Eisgeräte setzen und sofort eine Eisschraube drehen. Der Blick in den sicher 40 m tiefen Abgrund zwischen Wand und Gletscher ist schon sehr  respekteinflößend.

Danach einige Meter senkrecht hinauf, die zum Teil 20 cm dicke Schneeauflage ist nicht wirklich mit dem Eis verbunden, dementsprechend schlecht der Halt der Eisgeräte. Danach legt sich das Gelände etwas zurück, in dem sehr harten Eis erweist sich aber auch hier das Setzen der Eisschrauben als sehr mühsam. Danach abseilen. Gut, nun wissen wir ein bisschen mehr. Ralf meinte, nun haben wir dem Everest gerade mal am Hintern gekitzelt. Immerhin schon was. :-)

Langsam kehrten wir zu unserem Zelt  zurück, es hatte zu stürmen begonnen. Plötzlich wurde unser kleines Zelt zur wunderbarsten Insel der Welt. Charly behielt wie fast immer recht – während der Nacht fürchteten wir mehrfach um die Bodenhaftung unserer kleinen Behausung. Der Wind hielt uns beinahe die ganze Nacht über wach. Viel Zeit zum Gedankenaustausch: positiv, der kaum vorhandene Stein- und Eisschlag, der auf die noch sehr niedrigen Temperaturen zurückzuführen ist. Große Bedenken dagegen von Ralfs Seite wegen des Zeitbedarfs für zusätzliche Sicherung im harten, fast durchgängigen Blankeis und den damit verbundenen Mehrbiwaks – deren Plätze bisher noch nicht wirklich erkennbar sind. Ich hingegen bin positiv und glaube an mögliche weitere Biwakplätze, die uns von hier aus noch verborgen blieben. Vom Nordsattel bei unserer weiteren Akklimatisation werden wir mit dem Fernglas mehr erkennen können.

Bei immer noch starkem Wind bauten wir das Zelt am nächsten Morgen ab und vergruben es samt Schlafsäcken und Matten in einem ausgehackten Eisloch. Noch zwei Markierungsstangen – und danach ab ins Basislager, zu Sitaram und Tashi.

Über jeden von unseren Steinmännern freuten wir uns und waren uns einig, dass wir einen guten Weg gefunden und markiert hatten. :-)

Unweigerlich schlich sich unterwegs die Vorstellung von Gemüsereis, Polenta, noch immer “frischen” Karotten und Radi ein.

Angekommen im Basislager, raus aus den dicken Expeditionsschuhen und erst einmal eine Tasse Milchtee, den Sitaram immer besonders gut mit Kardamon zubereitet.

Nun werden wir noch einen Tag hier verbringen und dann zur nächsten Akklimatisation aufbrechen. Geplant haben wir vom Wandfuß aus über die alte Odellroute zum Nordsattel aufzusteigen. Dort oben möchten wir eine Nacht verbringen und eventuell noch zwei weitere ein Stück oberhalb des Nordsattels.

Danach werden wir uns wieder melden. Bis dahin einen lieben Gruß aus unserer sonnigen, windgeschützten Basislagermulde.

Gerlinde und Ralf

www.gerlinde-kaltenbrunner.at

Amical – Everest 2010

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Eine Antwort »

  1. Maria sagt:

    Wünsch Euch viel Erfolg bei eurer Everest-Besteigung!

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