Als Konrad Kain 1909 in Kanada ankam, war ihm der Ruf eines beliebten und erfolgreichen Bergführers bereits voraus  geeilt. In seiner neuen Heimat gelangte er im Dienste des Alpine Clubs of Canada bald zu Anerkennung und Ruhm. Er gilt heute noch als die Lichtgestalt der kanadischen Alpingeschichte. So zählt die Erstbesteigung des 3.954 m hohen Mount Robson unter seiner Führung zu den größten alpinistischen Glanztaten in den Rocky Mountains. Mit den legendären Worten „Gentleman, weiter als hierher kann ich Sie nicht führen“, geleitete Kain seine Gefährten MacCarthy und Wasbrough am 13. August 1913 auf den höchsten Gipfel der kanadischen Rockys. In seiner alten österreichischen Heimat jedoch, wo er auf der Rax seine ersten Sporen als Bergführer verdiente, verblasste die Erinnerung an den Holzknecht aus Hinternaßwald langsam im Strudel der Zeit.

Seine englischsprachige Biographie mit dem programmatischen Titel „Where the clouds can go“ zeichnet das abenteuerliche Leben des Steinbrucharbeiters, Holzfällers, Trappers, Bahnarbeiters und Alpinisten nach. Kain führt  den Leser dabei ebenso gekonnt wie seine Klienten am Berg auf dem Weg von der heimatlichen Rax ins Gesäuse und in die Dolomiten, in die Westalpen, zu den Bergen Korsikas, auf die schneebedeckten Alpen Neuseelands und in die Rockys.

Für Raxromantiker, die gerne auf den Spuren der Altvorderen wandeln, ist besonders der erste Teil des Buches interessant, in dem Kain seine bergsteigerischen Anfänge auf der Loswand und in den Kahlmäuern beschreibt. Er erzählt von einer Skitour auf die Schneealm, wo er mit einer Wächte über die Mitterbergschneid in die Dirtlerschlucht stürzt.  Spannend ist auch seine Schilderung vom Wildern in der winterlichen Teufelsbadstube im Höllental, wo er sich auf der Fährte der Gams immer weiter verirrt. Die Wilderei war nicht aus Jagdlust geboren, mehr aus purer Not.  Seine Kunden rekrutierten sich aus dem wohlhabenden Wiener Bürgertum und garantierten dem Bergführer in den

Sommermonaten ein Zubrot. Der Winter war damals allerdings buchstäblich eine karge Zeit für die Bewohner des  Höllentals. Insofern gewähren Kains Erzählungen auch Einblick in die bedrückenden sozialen Verhältnisse der  Monarchie.

Rezension: Günter Vielgut

Conrad Kain

„Where the clouds can go“

Format Taschenbuch: 22,6 x 15,2 x 3,6 cm, 560 Seiten, Taschenbuch

Preis: € 19,99

ISBN-10: 1897522452
ISBN-13: 978-1897522455

Heritage House Pub Co Ltd (September 2009)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s